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Baugeschichte unserer Kirche

Postkarte 1931


Im Gegensatz zu vielen anderen mittelalterlichen Kirchen wurde unsere Kirche nicht in der Mitte der Stadt erbaut. Sie lag vielmehr am Nordrand, direkt an der Stadtmauer. Wie viele andere Kirchen der Region (z.B. Treis, Londorf) ist sie eine Wehrkirche und liegt leicht erhöht über der Straße.

Allendorf hatte ursprünglich keine eigene Pfarrei. Die Stadt gehörte zum Archidiakonat St. Stephan in Mainz und war kirchlich eine Filiale der Pfarrei Londorf. Vermutlich im 13. Jahrhundert wurden die Allendorfer Christen von Londorf getrennt und kamen zur Pfarrei Winnen. Dies bedeutete für die Allendorfer einen besonders im Winter schwierigen Kirchgang.

Im Jahr 1323 löste Landgraf Otto diese Verbindung und ließ in Allendorf eine eigene Pfarrei errichten, nachdem sicher war, dass für den Unterhalt eines eigenen Pfarrers gesorgt werden konnte.

Etwa um diese Zeit erfolgte der Bau von Teilen der Kirche. Dies zeigt sich anhand des Baustiles einzelner Teile unserer heutigen Kirche. Das Portal des Turmes entspricht dem des Turmes der Beuerner Kirche, die um 1320 erbaut wurde.

Ursprünglich war die Kirche eine Wegekapelle; sie wurde 1454 vergrößert und nach dem Stadtbrand von 1728 nochmals erweitert. 1454 wurde die Kapelle auf dem damaligen Friedhof vom Generalvikar des Erzbischofs von Mainz geweiht und der Heiligen Jungfrau und dem Erzengel Michael gewidmet. Auf Reste von dieser Kapelle traf man beim Einbau der Heizung im Jahr 1926. Die Fundamente haben die Breite des Turmes und etwa die halbe Länge unseres heutigen Kirchenschiffes.

In ihrer Frühzeit diente die Kirche auch als Burg; sie war am höchsten Punkt des ummauerten Stadtkernes erbaut worden. Die ehemaligen Schießscharten am Turm, der als Bestandteil der Stadtbefestigung diente, sind noch heute sichtbar (unterhalb des Glockenstuhles).

Mehrfach wurde das Gebäude durch Feuer zerstört. In einer alten Schrift heißt es z.B.: »Anno 1634 den Sonnabend vor Ostern / verzehrte das wütende Feuer den sogenannten ganzen Kirchberg / und ließ nichts als Feuer-Stätte übrig.«

Die damalige Kirche zeigt der Merian-Stich von Allendorf. Das Dach war mit einer doppeltne Reihe von Gauben versehen, der Turm hatte einen hohen vierseitigen Spitzhelm.

Ihre heutige Größe erhielt die Kirche nach dem Stadtbrand von 1728, als der Turmhelm verändert und das Kirchenschiff erhöht wurden. Weiterhin wurden neue Fenster und die Emporen an drei Seiten eingebaut.

Die Inneneinrichtung stammt aus der Zeit nach dem Stadtbrand von 1728 und ist in barockem Stil ausgeführt. Zahlreiche Elemente finden sich noch heute: die Orgel, die Kanzel, das Taufbecken. Die ebenfalls barocken Kirchenbänke wurden 1912 durch neue Bänke ersetzt.

Von der ehemaligen Sakristei an der Nordseite des Chorraumes ist nur noch die zugemauerte Tür und ein Konsolstein, auf dem das Gewölbe ruhte, von außen zu sehen. Wann die Sakristei abgebrochen wurde, ist nicht bekannt; nach der Reformation traf dieses Schicksal viele Sakristeien.

 

Das 20. Jahrhundert


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